Belgien für Anfänger – Eine kurze Einführung und Übersicht. Knapp und bündig

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Datei:Belgium, administrative divisions (provinces+regions) - de - colored.svg

Source:  https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Belgium,_administrative_divisions_%28provinces%2Bregions%29_-_de_-_colored.svg

 

Kleines Land in Europa mit ca. 30,000km2 Fläche. Gelegen zwischen Holland, Deutschland, Luxemburg und Frankreich. Gebildet 1830 aus Landteilen von Niederlanden, Frankreich und Deutschland.

11 Millionen Einwohner, 3 Regionen:

  • Flandern im Norden
  • Wallonien im Süden
  • Brüssel, - Hauptstadt des Landes (und von Flandern) und gleichzeitig Region als eine Art Stadt-'Insel' in der Mitte, umgeben von Flandern, nahe der Wallonischen Grenze (3,000 Meter Distanz).

Ca. 6 Millionen Flamen, 4 Millionen Wallonen, 1,1 Millionen Brüsseler, 70,000 deutschsprachige Ostbelgier (Gebiet im Osten Walloniens, angrenzend an Deutschland). 3 Gemeinschaften (Communautés):

1) Die Französischsprachige Gemeinschaft (Brüssel + Wallonie ' = Comunautée Française' / 'Fédération Wallonie-Bruxelles') ),

2) Die Flämischsprachige Gemeinschaft (Flandern) und

3) Deutschsprachige Gemeinschaft (Ostbelgien, östlicher Teil von Wallonien). Wallonien flächenmässig grösser als Flandern.

 

Offizielle Amtssprachen

  • Flandern: flämisch
  • Wallonien: französisch in Wallonien
  • Brüssel: französisch und flämisch
  • Ostbelgien: deutsch

 

Staatsform

Königreich mit König (Philippe), parlamentarische Monarchie. Demokratie. Nation seit 1830. Hauptstadt: Brüssel. Ca. 80% Katholiken - die meisten jedoch nicht praktizierend.

 

Allgemein

Ca. 65km Nordseeküste, fast komplett verbaut mit Hochhausgebäuden aus der Nachkriegszeit. Allgemeine Wahlpflicht. Autobahnen beleuchtet. Das Land, in dem man im weltweiten Vergleich

- am meisten Steuern bezahlt (sehr sozialistisches Basis-Prinzip)

- recht wenig Rente bekommt

- am meisten mit elektronischer Zahlungskarte bezahlt (über 70% von Transaktionen).

 

Kultur

Flämische, Wallonische und Kultur der deutschsprachigen Gemeinschaft sind sehr verschieden, vor allem Flamen und Wallonen (aber auch Ostbelgier) wissen recht wenig voneinander: (Sehr) Verschiedene Sprachen, Kultur, Literatur, Presse, Fernsehsender, Musik, Geschichte, Vorbilder, Kunstgeschichte, Industrieschwerpunkte, Landschaft, etc... Wallonien sehr viel ärmer als Flandern. Finanzausgleich von Norden nach Süden führt regelmäßig zu Polemik.

 

Politik

Größte politische Partei flämisch und sehr rechts-konservativ, mit erklärtem Ziel, Flandern von Belgien abzuspalten als eigene Nation. 

Regierung(en)

Föderalstatt      Mitte

Wallonin           Links-Liberal-Grün (Sozialistische Partei + Liberale + Ecolo)

Ostbelgien       Rechts

Flandern          Rechts

Über 75% der Bevölkerung besitzt eigenes Haus.

Häuser oft aus Backstein / mit Backstein verkleidet, selten verputzt; im Allgemeinen eher älter und allgemeiner Nachholbedarf bei Wärmeisolierung.

 

Spezialitäten

Verarbeitete Schokolade (importiert aus Afrika), Pralinen, Bier (eher stark und nicht nach deutschem Reinheitsgesetz gebraut), Pommes (eher Kalorienreich). Der Belgier glaubt im Allgemeinen, dies sei weltweit sehr bekannt.

 

Küche

eher einfach, 'bürgerlich', unkompliziert. Im Allgemeinen viel Fleisch

Zum Beispiel

  • Eintöpfe (Stump),
  • Carbonade à la Flamande (eine Art Goulasch nach flämischer Art),
  • Hase mit brauner Biersauce und Rosinen (Lütticher Art).

 

Verkehr / Mobilität

Dichtes Straßennetz, inklusive Autobahnen. Höchstgeschwindigkeiten: 50 km/h innerorts, 90 km/h auf Landstraßen in Wallonien, 70 in Flandern; 120 km/h auf Autobahnen. Letztere nachts beleuchtet: In Wallonien bis ca. Mitternacht, in Flandern immer weniger. Straßenqualität eher schlecht, vor allem in Wallonien. Öffentliches Verkehrsnetz eher mittelmäßig (fast keine Busse / Züge an Wochenenden) und eher teuer. Material nicht selten veraltet.

Über 60% aller Ehen enden mit Scheidungen. Homosexuelle Ehen erlaubt, sowie Abtreibung

 

Volljährigkeit

mit 18. sexuelle Volljährigkeit (was auch immer das bedeutet!) mit 16.

 

Wehrpflicht / Zivildienst

keine

 

Schöne Städte / nette 'Städtchen', zum Besuchen und für Ausflüge

Brügge, Gent, Brüssel, Leuven, Namur, Durbuy, La Roche, Bouillon, Spa, Arlon.

Eher nicht so schön (meiden): Charleroi (Industrie, ex-Kohleabbau).

 

Schule

Ganztag, ca. 8:30-15:30, Montag bis Freitag. 1 Jahr Vorschule (ab 5 Jahren); 6 Jahre Grundschule (6-12 Jahre), 6 Jahre Sekundarschule (12-18 Jahre) für alle Schüler. Allgemeine Schulpflicht von 5 bis 18 Jahre.

Schulferien:  Juli und August, eine Woche im November (Allerheiligen), zwei Wochen im Dezember / Januar (Weihnachten / Sylvester), eine Woche im Februar / März (Karneval), eine Woche an Ostern.

 

Energieversorgung

Zwei (sehr alte) Atomkraftwerke, für ca.50% elektrischer Energie.

Eins in Tihange in der Nähe von Huy in Wallonien, das andere in Doel bei Antwerpen in Flandern, mit mehreren Reaktoren. Beide Kraftwerke regelmäßig in der Presse wegen langen unvorhergesehenen Ausfällen, Reparationen, fehlenden Investitionen.

 

Berühmte Firmen

Barco (Flandern).

 

Bekannte nationale Automarken

keine.

 

Bekannte Sportler

Eddy Merckx (Fahrrad, unter Dopingverdacht; Flandern); Justin Henin (Tennis, Wallonien); Kim Klijsters (Tennis, Flandern).

 

Vision

Eher der Vergangenheit / des Nicht-Vergessens zugewandt, als der Zukunft.

International bekannte Wissenschaftler / Erfinder

  • Adolphe Sax (Antoine-Joseph Sax): Saxophon 1846
  • Ernest Solvay: Solvay-Verfahren

 

Arbeiten

Nicht das Hauptthema vieler Belgier. Regelmäßig Streiks, vor allem in Wallonien.

Arbeitslosigkeit über Europäischem Durchschnitt: niedriger / unter EU-Durchschnitt in Flandern; sehr hoch in Wallonien und extrem hoch in Brüssel.

 

Finanzen

Sehr ausgebildetes Steuergeheimnis (aber weniger als in Österreich, Luxemburg, Schweiz).

Hohe Staatschulden, d.h. seit sehr langem über 100% von Brutto Inlands-Produkt (BIP).

21% Mehrwertsteuer.

 

Wirtschaft und Industrie

- Flandern: Auto, Produktion, Landwirtschaft, Seefahrt, Technologie / IT Start-ups

- Wallonien: Ex-Minen, Stahlbau / Metallindustrie, Schwerindustrie, Landwirtschaft, Forstwirtschaft

Schule – Unterrichtsqualität

Teuer zu finanzieren durch öffentliche Gelder. Nach deutschen Standards schlecht organisiert.

Regelmäßige Pisa-Studienergebnisse: überdurchschnittlich gut in Flandern (verglichen mit OECD-Ländern), unterdurchschnittlich in Wallonien für französischsprachige und deutsch-sprachige Schüler (https://www.ostbelgienstatistik.be/desktopdefault.aspx/tabid-5365/9307_read-50556/). Die meisten Schulgebäude sind veraltet. Kaum digitale Infrastruktur, kaum oder sehr einfache / veraltete Informatik-Kurse.

 

Gesundheitswesen

Der Durchschnittsbelgier ist eher stolz auf das System im Allgemeinen und davon überzeugt, dass das belgische Gesundheitswesen sehr gut und modern ist. ‚Sehr gut‘ bezieht sich eher auf ‚jeder hat Zugang‘ – was auch immer das genau heissen möge.

Von meinen persönlichen Erfahrungen nach 25 Jahren hier in Belgien (in Mitte und Süden des Landes) sind viele Krankenhäuser eher ‚normal‘ bis veraltet und benötigen massive Investitionen und Modernisierungen.

Aktive Sterbehilfe legal.

 

Beamte

Sehr viele, vor allem in Wallonien.

 

Bade- / Flusswasserqualität

schlecht, vor allem in Wallonien. Sehr wenige moderne Kläranlagen, viele Privathäuser haben Klärgruben. Auch neue Häuser.

Bekannte Künstler

  • Maler Bruegel, Rubens, Magritte
  • Architekten Horta
  • Musiker Adolphe Sax (Erfinder des Saxophons), Brel,Stromae (Brüssel), Salvadore Adamo, Machiavel.
  • Schauspieler Jean-Claude Vandamme
  • Schriftsteller Georges Simenon, Amélie Nothomb
  • Comic-Autoren Hergé (Tim und Struppi), Morris (Lucky Luke), Franquin (Marsupilami)    Peyo (Die Schlümpfe).

 

Sehr heilig / unantastbar

  • Eigenes Auto
  • Eigenes Haus
  • Kinder
  • Schulferien
  • Alkohol: Regelmäßig und zu jeder Gelegenheit, vor allem Bier & Wein (wobei der Belgier die beiden Getränke eigentlich ‚nicht richtig‘ zu den alkoholischen Getränken zählt)
  • Festanstellungsvertrag
  • Feiertage
  • Ladenöffnungszeiten

 

18 April 2020

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