Die Deutschen – Ansichten und Vorurteile eines im Ausland lebenden Deutschen

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The German Embassy in Washington, DC — willkommen-in-germany ...

Ich bin in Deutschland geboren und habe meine ersten 28 Jahre dort verbracht. Geboren von deutschen Eltern, aufgewachsen unter Deutschen. Ich bin heute über 50 und lebe im Ausland. Ich habe sehr regelmäßig mit Deutschen zu tun.

Natürlich gibt es ‚die Deutschen‘ nicht. Es gibt nicht ‚den Deutschen‘. Es gibt Vorurteile, Beispiele, Beobachtungen. Es gibt berühmte Deutsche, die man im Ausland kennt, die Deutschland teilweise repräsentieren, die das Land verkörpern. Im Allgemeinen gibt es nicht viele Deutsche, die man im Ausland kennt. Vor allem im Vergleich zu den USA. Aber das trifft wohl für viele Länder zu.

Es gibt eine deutsche Staatsregierung, die Deutschland für vieles weltweit repräsentiert und verkörpert. Sie ist – zusammen mit den Landesregierungen, Kreis und Kommunen zusammen für vieles in Deutschland verantwortlich. Auch für vieles, was den Ruf ‚der Deutschen‘, ‚des Deutschen‘ und Deutschland weltweit angeht.

Deutschland hat der Welt in der Vergangenheit sehr viel Unrecht getan, sehr viel sehr brutale Gewalt ausgeübt und sehr viel grausame Brutalitäten ausgeübt. War das ‚Deutschland‘? Oder ‚die Deutschen‘? ‚Der Deutsche? Ein paar Deutsche? Viele Deutsche? Angeführt von einem Österreicher? Egal wer es auch immer war, die beiden von ‚Deutschland‘ angestifteten Weltkriege haben weltweit sehr viele Spuren hinterlassen, was den Ruf ‚der Deutschen‘ angeht. Auch wenn von den Verantwortlichen und mit-Verantwortlichen dieser beiden Weltkriege heute wahrscheinlich nur noch sehr wenige am Leben sind, und auch wenn man einmal von der Frage absieht, welche Schuld das heutige Deutschland, die Deutschen von heute noch tragen (wenn überhaupt?), er geschädigte Ruf bleibt. Noch für eine ganze Weile. Wahrscheinlich müssen da noch sehr viele Jahre vergehen, bis der Ruf ‚der Deutschen‘ viel weniger als heute von den beiden Weltkriegen beeinträchtigt ist. Mittlerweile müssen ‚die Deutschen‘ mit diesem geschädigten Ruf leben. Ob sie es wollen, oder nicht. Ob sie der Meinung sind, das sei berechtigt, oder nicht.

Die Sprache

Hört sich für viele Nicht-Deutsche ‚hart‘ und laut an. Die Grammatik wird von vielen als eher kompliziert angesehen. Im deutschen gibt es lange Worte, oft zusammengesetzt. Viele Nicht-Deutsche tun sich schwer, deutsch zu lernen.

Die deutsche Sprache hat sich in den letzten Jahren recht verändert. So wie viele andere Länder und Völker sicher auch. Man sagt heute nur noch selten ‚Guten Tag‘. Stattdessen hört man fast überall systematisch ‚Hallo‘ als Ansprache. Auch unter erwachsenen Fremden. Die deutsche Sprache scheint zunehmend 'ärmer' zu werden. Wort ärmer. Die Deutschen scheinen allgemein Immer mehr englische Worte zu verwenden. Nicht nur was die Informatik und Computer (Rechner) angeht.

Da man deutsch außer in Österreich und Teilen der Schweiz fast nirgendwo anders auf der Welt als Haupt- oder offizielle Amtssprache spricht, sind Kulturelle Distanzen und Missverständnisse zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen öfter und schneller anzutreffen. Engländer und US-Amerikaner und Franzosen zum Beispiel haben dieses Problem wohl etwas weniger.

In Europa

Deutschland gehört flächenmässig zu den großen Ländern Europas. Was die Bevölkerungszahl angeht sogar das größte Land der Europäischen Union. Deutschland hat Einfluss in Europa. Viele sagen, daß Deutschland in Europa mehr zu sagen zu glauben habe, als 'gut' für Europa ist. Viele Glauben, das Deutschland Europa als einen seiner wichtigsten Absatzmärkte ansieht und deshalb in der Europäischen Union mitreden und mitentscheiden möchte. Und manchmal damit einverstanden ist, Geld in Europa zu investieren. Nicht zu geben, nicht zu spenden, spendieren. Investieren. Das heißt egoistisch auf mehr Geldeinnahmen aufgrund dieser Investitionen zu setzen. Große Länder wissen oft nicht so viel über die Länder um sie herum im Vergleich zu kleineren Ländern. Größere Länder – so wie Deutschland – scheinen oft mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, als kleinere Länder. Kleinere Länder sind oft von Natur aus mehr weltoffen als größere Länder. Erscheinen weniger egozentrisch. Weniger arrogant. Auf Grund der Größe des Landes, müssen viele Deutsche – so wie Franzosen, Spanier, Italiener und Polen auch - weiter wegreisen, bevor sie auf nicht-Deutsche treffen.

 

Qualität Made in Germany

Was wohl ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts von den Briten eingeführt wurde und obligatorisch für alle von aus Deutschland importierten Waren anzuwenden war, ist heute unbestritten ein Markenzeichen für international anerkannte hohe deutsche Qualität in vielen Bereichen. Deutschland ist bekannt für seine Technik, seine Ingenieure, seinen Maschinenbau und seine Autos. Entsprechende Produkte werden von vielen Nicht-Deutschen als langlebig, zuverlässig und sicher, jedoch nicht günstig angesehen.

 

Disziplin und Ordnung und Organisation und Normung und Standards

Dieser Ruf steht oft recht oben auf der Liste, wenn es darum geht ‚typisch deutsches‘ zu beschreiben. Das trägt auch zur bevor genannten Qualität bei.

 

Besserwisserei

Viele Deutsche glauben vieles besser zu wissen als Nicht-Deutsche. Das heißt aber nicht unbedingt, daß der Nicht-Deutsche den Deutschen als sehr arrogant betrachtet.

 

Kalt, laut und humorlos

Sich die Hand geben, statt Wangenküsschen oder Umarmen. Das trägt zum stereotypen deutsch Bild von Kälte bei. Wobei das nicht nur für Deutschland zutrifft. Auch daß viele Deutsche im Urlaub im Ausland – vor allem wenn in Gruppen versammelt - lauter reden, als Menschen anderer Nationalitäten, ist bei vielen Nicht-Deutschen recht weit verbreitet. Und da man im nicht deutsch-sprechenden Ausland fast keine deutschen Komiker kennt und auch die deutsche Sprache nicht, gelten Deutsche im Allgemeinen oft als eher humorlos.

 

Sparen

‚Der Deutsche‘ schlechthin lebt nicht gerne auf Kredit. Auch wenn er manchmal dazu gezwungen ist, um sich teurere Güter wie beispielsweise ein Haus oder ein Auto leisten zu können. Kreditkarten verwendet er nur ausnahmsweise und eher vorsichtig oder misstrauisch.

 

Autobahn

Da kann man vielerorts sehr schnell fahren. Und man hört eigentlich außerhalb Deutschlands nicht, daß es im Land ohne Höchstgeschwindigkeit auf vielen Teilen vieler Autobahnen mehr Tote oder Schwerverletzte durch Unfälle gäbe.

 

Reisen und Urlaub

Viele Deutsche Reisen gerne. Und haben die Mittel dazu. Ob es heute noch viele deutsche Männer in kurzen Hosen, Sandalen und Socken gibt, bleibt zu beweisen. Das Sandalen-Socken Bild des deutschen Mannes im Urlaub bleibt jedoch bei vielen Nicht-Deutschen.

Auch die Idee, daß man als Nicht-Deutscher nicht Urlaub in Deutschland macht. Wer möchte schon seinen Urlaub in Deutschland verbringen? Vielleicht einmal ein Wochenende in Berlin (wenn man Venedig, Paris, London, Rom, Madrid, Stockholm und viele andere Europäische Städte schon mehrmals besucht hat) oder einen Tagesausflug zum Schloss Neuschwanstein.

Zwar gibt es in Deutschland bestimmt schöne Landschaften, aber wahrscheinlich nicht schöner oder besuchenswerter als in anderen Ländern. Und vor allem wird die Wahrscheinlichkeit, daß man in Deutschland schneller und öfter auf eine Fabrik, ein Indistriegelände oder einen rauchenden Schornstein stößt, als ‚eher hoch‘ eingestuft.

Obwohl die meisten Deutschland nie besucht haben oder je besuchen werden, wissen viel Nicht-Deutsche, daß es in Deutschland Wald gibt. Aber der kann wohl auch nicht schöner, besser oder gesünder als anderswo sein.

 

Essen und Trinken

Auch wenn ich selbst ein absoluter Fan der deutschen Küche bin, kenne ich nicht viele Nicht-Deutsche die die Deutsche Küche überhaut (richtig) kennen – oder schätzen.

Der Deutsche ist dafür bekannt, gerne und eher überdurchschnittlich viel Bier zu trinken. Deshalb wird auch wohl in Deutschland so viel davon produziert. Und auch wenn die meisten deutschen Biere schon lange nicht mehr nach dem berühmten deutschen Reinheitsgesetzt gebraut werden, so wird letzteres gerne von den Produzenten geheim gehalten, herunter gespielt („…man kann so ein Gesetz ja rein technisch heutzutage gar nicht mehr in allen Details anwenden“) oder die Deutschen sind an solchen ‚Details‘ gar nicht interessiert. Währenddessen dient das Deutsche Reinheitsgebot, um den deutschen Biermarkt vor ‚Überschwemmung aus dem Ausland‘ zu ‚schützen‘.

 

Gesundheitssystem

Im Allgemeinen als ‚eher gut‘ bekannt, weil gut organisiert mit regelmäßigen Investitionen und guter Sozialversicherung. Vor allem die Homöopathie – von einem Deutschen erfunden – kennt bei vielen Nicht-Deutschen eine gewisse Anerkennung.

 

Rechts

Nicht nur ist die Bundesregierung seit vielen (vielen) Jahren eher rechts – da sehr zentral mit der CDU verbunden – auch das Aufkommen von rechtsradikalen Parteien wie AfD trägt wohl dazu bei, daß Deutschland oft mit ‚rechts‘ verbunden wird. Ob es in Deutschland mehr Rechtsradikale und Nazis (oder vergleichbare extreme Nationalsozialistische Menschen) als in anderen Ländern gibt bleibt zu beweisen. Derweilen hilft es dem weltweiten Ruf der Deutschen nicht.

 

Klassische Kultur, Musik, Dichter, Maler, Denker, Wissenschaftler

Dieses Gebiet ist klar etwas was den Deutschen ein gewisses Ansehen erbringt. Oder eher ‚erbrachte‘. Denn das war eher gestern, in der Vergangenheit.

 

Moderne Kultur

Kennt man im nicht-deutsch-sprechenden Ausland eher weniger bis überhaupt nicht. Wer kennt ausserhalb Deutschlands, Östereichs oder der Schweiz schon einen kontemporänen deutschen Schauspieler, Autor oder Musiker?

Viele wissen nicht daß Musiker wie die Scorpions, Boney M oder Modern Talking aus Deutschland kamen / kommen. Manche kennen Nena, Kraftwerk oder Trio. Aber das war auch eher ‚gestern‘. Nicht wenige kennen die Musikgruppe ‚Rammstein‘, was dem Ruf der Deutschen aber auch wiederum nicht sehr guttut.

13 April 2020

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