Belgien hat neun Gesundheitsminister

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Corona-Krise in Belgien"Regel-Wirrwarr und hohe Infektionsraten

Stand: 23.10.2020 16:01 Uhr

Mit seinen gut elf Millionen Einwohnern verzeichnete Belgien zuletzt mehr als 16.000 Corona-Infektionen. Besonders dramatisch ist die Lage in Lüttich. Hilfe gibt es deshalb nun auch im deutschen Grenzgebiet.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Belgien hat in Europa eine der höchsten Infektionsraten pro 100.000 Einwohner. Besonders dramatisch ist die Situation in der wallonischen Industriestadt Lüttich. Dort sind die Intensivstationen der Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten hoffnungslos überlastet. Schwerkranke müssen in Kliniken nach Flämisch-Brabant oder Limburg verlegt werden.

Auch das Universitätsklinikum Aachen und die Krankenhäuser in der Eifelstadt Prüm nehmen mittlerweile Covid-Patienten aus der Wallonie und aus dem deutschsprachigen Ostbelgien auf. "Im Vergleich zu Deutschland muss sich eine Krankenschwester im Schnitt um 25 Patienten mehr kümmern. Personal, das einen positiven Corona-Test hat, aber keine Symptome zeigt, kommt trotzdem zur Arbeit. Ohne sie würden wir es nicht schaffen", betont Philippe Devos, Intensivmediziner am CHC Krankenhaus Lüttich.

Krankenhaus-Personal besonders betroffen

Der Bürgermeister von Lüttich will jetzt die belgische Armee zu Hilfe rufen, um ein Feldhospital zu errichten.

Lüttich zählt mittlerweile zu den von der Pandemie am stärksten betroffenen Städten in Europa und wird bereits als "Bergamo an der Maas" bezeichnet. Rund 30 Prozent des Pflegepersonals an den Lütticher Kliniken wurden positiv auf Corona getestet, kommen aber - solange sie symptomfrei sind - trotzdem zur Arbeit, weil die Kliniken es sonst nicht mehr schaffen.

Konflikt zwischen Flamen und Wallonen

Belgiens Problem ist das schlecht koordinierte Gesundheitswesen: Neun Gesundheitsminister in den belgischen Regionen, Provinzen und Gemeinden sorgen für ein Wirrwarr an Regeln beim Thema Maskenpflicht, Sperrstunden und Sozialkontakte. Ein Corona-Kommissar soll die Bestimmungen ab sofort koordinieren.

Premierminister Alexander De Croo ordnete heute an, die Beschränkungen weiter zu verschärfen. Ein erneuter Lockdown werde zwar nicht verhängt, dafür kommen zur Schließung von Bars und Restaurants nun noch Einschränkungen für den Amateursport sowie für die Besucherzahlen bei Kinos und Theatern hinzu.

Die Pandemie hat zudem den Graben zwischen Wallonen und Flamen vertieft. Zur Zeit ist die Wallonie im frankophonen Süden Belgiens von Covid-19 besonders betroffen. Viele Flamen aus dem Norden Belgiens geben den Wallonen Schuld an der Krise.

 

Source: https://www.tagesschau.de/ausland/luettich-corona-101.html

 

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